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Thema: Heranführen der Stücke während einer Belagerung

  1. #1
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    Standard Heranführen der Stücke während einer Belagerung

    Hallo

    Ich recherchiere gerade für ein Diorama der Belagerung Erfurts 1813 durch das II. preussische Korps.

    Während eines sog. förmlichen Angriffs arbeitete man sich in mehreren aufeinander folgenden Parallelen und mit Hilfe von Laufgräben und Sappen bis zur Contrescarpe (äussere Grabenmauer) der belagerten Festung vor, um dann schlussendlich dort die Breschbatterie aufzustellen. Ich frage mich, wie man die Geschütze dorthin und natürlich auch in die anderen Stellungen verbracht hat. Durch die im Zickzack angelegten Sappen konnte man kein Artilleriegespann lotsen, um die Geschütze vor Feindfeuer geschützt in Stellung bringen zu können. Auf freiem Feld war man dem Beschuss der Festungsartillerie ausgesetzt. Verbrachte man die Geschütze im Schutz der Nacht in Ihre Stellungen? Oder wurde die Festungsartillerie von den eigenen Batterien, die schon in den Parallelen aufgebaut waren, derart unter Feuer genommen, daß diese den Aufbau nicht wirkungsvoll behindern konnten?

  2. #2
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    Standard Einfahren von Geschützen in die Batterien, Bombardement von Erfurt am 6. Nov. 1813

    Hallo Mr Pett,

    zur Frage allgemein: Geschütze konnten auch durch Parallelen bzw. Laufgräben herangeführt werden, wenn diese breit genug angelegt waren. Ich nehme an, dass in den Gräben ggf. die sog. Haken (crochets) das Wenden an den Zickzacks erleichterten. In der Regel wurde die Armierung der Batterien ("Batterie" hier im Sinne von Feuerstellung, Armierung i.S.v. Einfahren der Geschütze in die Feuerstellung) jedoch nachts durchgeführt, um sich weniger dem Feuer der Festung auszusetzen (dies konnte im Nahbereich vor dem Wall auch Gewehrfeuer sein!). In diesem Fall konnten die Geschütze auch über's freie Feld an die Batterien herangefahren werden.

    Zu Erfurt 1813/14: Hier kann man nicht von einer "förmlichen" Belagerung sprechen. Die Festung wurde lediglich am 6. November 1813 bombardiert, 1. um den Gouverneur BG Dalton nachgiebiger zu machen betreffs Erzielung einer Konvention zur Räumung der Stadt und 2. zwecks Inbrandschießung von Gebäuden, besonders in den Zitadellen. Aufgrund der Lage der Zitadellen Petersberg und Cyriaksburg auf zwei Bergen würde ein förmlicher Sappenangriff auch wenig Sinn gemacht haben (*), zumal man sich erst durch die (umwallte) Stadt an die Zitadellen hätte heranarbeiten müssen. Die Batterien zum Bombardement waren an der Schwedenschanze, im Hungerbachtal und am Steigerwald angelegt, außerdem einige Schanzen, Tranchéen und Kommunikationen. An der Beschießung waren inkl. der Reserve 66 Geschütze beteiligt (preußische, russische, wahrscheinlich auch österreichische - jedenfalls zeigt Beck in einer Variante eines Bildes vom Bombardement auch öst. Artilleristen).

    Das Ziel des Bombardements wurde erreicht: Am 7. November erklärte sich der Gouverneur bereit, einen Waffenstillstand abzuschließen und in Verhandlungen bzgl. einer Übergabe der Stadt (ohne die Zitadellen) einzutreten. Die Übergabe der Stadt erfolgte am 6. Januar 1814, die Räumung der Zitadellen erst am 16. Mai 1814.

    Mehr Details in unserem kommenden Buch über den Festungskrieg 1813/14 http://forum.napoleon-online.de/show...skrieg-1813-14

    Gruß, Tom
    (*) Erfurt war nicht wichtig genug, um aufwändig förmlich belagert zu werden; die Festung bzw. Stadt konnte leicht umgangen werden. Anders lagen die Verhältnisse bspw. bei Hüningen am Rhein, das im Winter und Frühjahr 1813/14 förmlich belagert wurde.
    Geändert von Tom (24.08.2017 um 10:35 Uhr)

  3. #3
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    Hallo Tom

    Bitte entschuldige die späte Antwort, habe deinen interessanten Beitrag gerade erst gesehen. Vielen Dank dafür.

    Dass Erfurt nicht letztendlich förmlich belagert wurde, wusste ich schon. Allerdings hat Dalton erst nach Heranführen der schweren Belagerungsartillerie nach Ablauf des 14-tägigen Waffenstillstandes teilweise kapituliert, indem er die Stadt den Preussen übergab und sich selbst mit seinen Truppen auf den Petersberg und die Cyriaksburg zurückzog. Ab dem 20. November wurden von von Kleist die Belagerungsarbeiten wieder aufgenommen und die Belagerungsstellungen weiter ausgebaut (Quelle Wikipedia, Die Belagerung von Erfurt). Ab dem 19. Dezember hat man mit Übergabeverhandlungen
    begonnen, die dann zur teilweisen Räumung von Erfurt durch die Franzosen geführt haben (Quelle, Die Belagerung von Erfurt, Frank Palmowski).

    Erfurt war zwar militärisch nicht wichtig, aber immerhin persönliche Domäne Napoleon Bonapartes. Insofern machte eine Befreiung der Stadt im Hinblick auf den Befreiuungsgedanken dieser Tage durchaus Sinn, denn der moralische Effekt war bestimmt nicht zu unterschätzen. Ausserdem konnte die Festung Petersberg im Nordwesten an den Bastionen Michael und Johann direkt förmlich angegriffen werden. Man musste nur das relativ kleine Ravelin Lothar demontieren und hatte freie Bahn auf den Hauptwall der Festung. Alle anderen Richtungen schlossen sich aus durch vorgelagerte starke Festungswerke (Cyriaksburg, Hornwerk, Ravelin Anselm mit seinen 2 Lünetten), Überschwemmungen im Süden der Stadt, bzw. die Stadt selber.

    Jedenfalls sehe ich der Erscheinung eures Buches gespannt entgegen, denn leider ist die Literaturlage zum Festungskrieg während der napoleonischen Epoche doch ziemlich dünn und man muss sich mühsam die Einzelheiten zusammen suchen. Da der Baubeginn des Dios erst für Mitte nächsten Jahres geplant ist, um über Ostern in Erfurt den Petersberg zu besuchen und einige Recherchen anzustellen, bleibt hoffentlich vorher noch genug Zeit für die Lektüre.

  4. #4
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    Hallo Tom

    Nachdem ich jetzt die gesammelte Literatur, die ich zum Thema Erfurt habe durchgegangen bin, muss ich dir leider (aber nur in Anbetracht der bisher geleisteten Planungen und Recherchen) beipflichten. Bei Biereye wird expilzit gesagt, dass es nicht möglich gewesen sei, Erfurt förmlich zu belagern. Insofern macht es keinen Sinn eine solche förmliche Belagerung vor Erfurt darzustellen.

    Hüningen kommt nicht in Frage, da die Belagerung von bayerischen und österreichischen Truppen durchgeführt wurde. Ich habe schon eine ziemliche Anzahl Figuren der Preussen und Russen und natürlich Franzosen erworben. Also wird es wohl, da meine Frau dorther ist, die Belagerung von Wittenberg werden. Dort wurde zwar, nach dem was ich auf die Schnelle erlesen konnte, auch keine förmliche Belagerung durch geführt, aber die Belagerung ist durch das Werk von Major Vogel in seinem Buch die Belagerungen von Torgau und Wittenberg gut dokumentiert. Es gibt unter anderem eine Karte der belagerten Front, sowie der Belagerungsstellungen. Ausserdem kann ich über meinen Schwiegervater mit dem dortigen Heimatverein und dem Verein Bürger und Soldaten Wittenberg 1813 in Kontakt treten.

  5. #5
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    Hallo Mr. Pett,
    vor Wittenberg waren in der Schlussphase (Jahreswende 1813/14) m.W. keine Russen eingesetzt. Mit den vorhandenen Figuren (Preussen, Russen und Franzosen) könnte man aber bspw. Spandau (Bombardement), Thorn oder Danzig 1813 darstellen (die letzten beiden förmlich belagert).
    Gruß, Tom

  6. #6
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    Hallo Tom
    Ich glaube meine Frau wird dann sauer, wenn ich jetzt wieder von Wittenberg abrücke Sie freut sich schon auf das Diorama, obwohl es ein paar Jahre dauern wird

    Die Russen haben unter Wittgenstein die erste von drei Belagerungen innerhalb eines Jahres durchgeführt. Inwieweit sie in die folgenden zwei Belagerungen involviert waren, hoffe ich aus Major Vogels Werk zu erlesen. Gott sei Dank habe ich bisher nur ein paar Sets Russische Artllerie und Grenadiere von Zvezda und in der Hauptsache Preussen gekauft.

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