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Thema: "Haubitzenärmel" im württ. Ex.-Reglt - was ist das ?

  1. #1
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    Standard "Haubitzenärmel" im württ. Ex.-Reglt - was ist das ?

    Im württemb. Ex.-Reglement für die reitende Artillerie wird wie folgt von einem Haubitzenärmel gesprochen - wer kann mir sagen ob es diesen bei anderen Nationen auch gab und welche Funktion der hatte ?
    Nach dem Abprotzen:
    "..Nr. 2 zieht den Haubitzenärmel an, wobei er mit der rechten Hand das mit einem Knopfloch versehene Ende des Oberärmels faßt, damit hinter dem Halse herumfährt, dasselbe mit der linken Hand ergreift, und den Ärmel oben am Halse, und unten am Vorderarm zuknöpft..."
    Vielen Dank im Vorraus
    Uwe

  2. #2
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    Noch was unklares:
    Bei der Haubitze gabs eine Puderdose mit der die Granate gepudert wurde bevor sie auf die Ladung im Rohr gesetzt wurde.
    Warum wurde die Gr. gepudert und mit was ?
    Hallo Ari.-Experten!!! wer weis das ?
    Grüsse
    Uwe

  3. #3
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    Die Granate wurde ja bei der Haubitze von Hand eingesetzt, nicht, wie bei den Kanonen mit dem wesentlich längeren Rohr, mit dem Rammer das Rohr hinuntergeschoben.

    Da das Rohr nach dem ersten Schuß innen verdreckt war, nehme ich an, der Haubitzenärmel war eine Besonderheit in der württembergischen Armee: Ein Überzug, um den rechten Ärmel der Uniform vor dem Verschmutzen zu schützen.

  4. #4
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    Die Puderdose enthält loses feines Schwarzpulver.

    Weswegen aber in Württemberg die Granate vor dem Laden nochmal mit Schwarzpulver bestreut wurde, weiß ich nicht.

  5. #5
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    Da das Rohr nach dem ersten Schuß innen verdreckt war, nehme ich an, der Haubitzenärmel war eine Besonderheit in der württembergischen Armee:
    Als württembergische Besonderheit würde ich diese Ärmel nicht bezeichnen. Im "Exercir=Reglement für das Königlich Sächsische Feld=Artillerie=Regiment zu Fuß" (Dresden 1811) heißt es: "No. 1 hat das Einführen der Grenadladung und Grenade zu besorgen. Hierzu erhält er ein paar leinwandene Ärmel, welche er anzieht."
    Gruß Henning
    Wenn man merkt, dass man auf einem toten Pferd sitzt, sollte man absteigen!

  6. #6
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    Einpudern: Wenn die Bombe in das Rohr der Haubitze gesetzt wurde, wurde die papierne Schutzhülle, aus der die Ludelfäden der Brandöhre ragten, abgezogen und zur Sicherheit mit (feinem) Mehlpulver eingepudert. Die Bombe wurde so gesetzt, daß der Zünder nach außen zeigte, und durch die Feuerlanze der Haubitze entzündet wurde. Dies ist das "Feuern mit einem Feuer", während das "Feuern mit 2 Feuern", also das separate Zünden der Bombe schon außer Gebrauch gekommen war, weil als unfallträchtig erkannt.

    Laden, Wer es schon einmal ausprobiert hat: bei einer 7- oder 9-pfündigen Haubitze reicht der Arm eines mittelgroßen Mannes gerade durch den Flug bis zur Kammer. Warum? Die Treibladung wurde separat in die Kammer gesetzt, erst dann wurde die Bombe in den Flug gebracht. Darum durfte der Flug bei dieser Ladeweise auch nicht länger sein....

    Sicherheit: Wenn die Ladung der Haubitzen vorzeitig zündete, dann gute Nacht für den Setzer. Also anders als bei Kanonen, wo der Setzer mit dem Rammer vielleicht nur ein paar Finger, schlimmstenfalls die Hand verlor.

    So oder ähnlich in den zeitgen. Artillerie-Handbüchern unter "Feuwerkerei" nachzulesen.

    LB
    Geändert von Blesson (01.07.2007 um 22:06 Uhr)

  7. #7
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    Hm..das bringt mich doch schon ein gutes Stück weiter!
    Hier noch der Regl.-Text zum Einpudern:
    "Nr. 2 nimmt hierauf die Puderdose mit der rechten Hand aus ihrem Futteral, schlägt den Deckel ganz zurück, und hält ihn mit den Fingern der rechten Hand geöffnet, indem er den Boden der Dose umfaßt, und der Daumen auf der vorderen Fläche derselben aufliegt. Er bringt die Puderdose in den Flug, und bestreut durch einige schnelle Bewegungen das Brandrohr und die nach außen gekehrte Fläche der Granate..."

    Was ist den mit "in den Flug" bringen gemeint ???

    Dieses Werk wird wohl noch so einige Überraschungen bieten...
    Vielen Dank erstmal
    Uwe

  8. #8
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    Die Geschützöhren von Haubitzen und Mörsern gliedern sich immer in Kammer und Flug:

    1. Kammer für die Treibladung, welche einen weitaus kleineren Durchmesser als das Geschoß hat

    2. Flug für die Bombe oder Granate, Kaliber ab 7" aufwärts.

    Warum? Bei Wurfgeschützen mit großem Kaliber sind kleinere Treibladungen für die gekrümmte Flugbahn erforderlich als bei den Kanonen vergleichbaren Kalibers. Um die kleineren Treibladungen auf den Boden schieben zu können, braucht man kleineren Durchmesser, und voilà, man hat die Kammer.

    LB

  9. #9
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    Höchst informativ, bravo

  10. #10
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    Ja echt mal wieder Super !!!!
    Die Artillerie hat eben so seine Besonderheiten - interessant fand ich auch bei der Haubitze den Unterschied zwischen "Werfen" und "Schleudern" ....
    Also - nochmal vielen Dank an den Ing.-Experten !

    Hier noch ein Bild von restaurierten württ. 6-Pfd. Kanonen in Esslingen b. Stuttgart. Leider sieht jetzt alles zuuuuu neu aus. Die ohre stammen wohl noch von 1810. Die Laffeten sind leider nicht mehr komplett..Sitzbank und einige Beschläge fehlen....
    Grüsse
    Uwe
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